Stadtpuppenbühne Öcher Schängche


Das Ensemble
Die seit dem Jahr 1921 bestehende Stabpuppenbühne "Öcher Schängche", der Aachener Puppenheld, hat gleich fünf Väter, was an sich ganz seiner absonderlichen Art entspricht - einer dieser "Väter" aber war Schängchens eigentlicher geistiger Urheber: Prof. Dr. Will Hermanns, der bekannter Aachener Heimatdichter. Neben ihm waren dies der Bildhauer Alfred Pieper, der Maler Willi Kohl der Dekorateur Hein Lentzen und der Ingenieur J. Lausberg.
Die erste Vorstellung fand am Mittwoch, dem 4. Mai 1921 in der Hartmannstraße, statt. Es wurde von den "Aachener Marionettenspielen" (wie das Unternehmen zuerst genannt wurde) vor geladenen Gästen zum ersten Male das "Große historische Puppenspiel mit Gesang, Tanz und Keilerei: DER TEUFEL IN AACHEN oder Et Schängche köllt (betrügt) der Krippekratz (Teufel)" von Will Hermanns gespielt. Vorher wurde in einem kleinen Bühnenweihfestspiel: Öcher Klöpp än Kölsche Knuuze" (Der Wettstreit) das Kölner Hänneschen aus dem Felde geschlagen. Der Erfolg war groß. Die Heimatpresse begrüßte einstimmig die Wiederbelebung der alten, kindhaften Volkskunst als "eine wertvolle Unterstützung der Jugenderziehung und eine kräfte Förderung gesunder heimischer Wesensart".
Will Hermanns legt in Wort und Schrift die Ziele des Aachener Puppenspiels dar: "Wir wollen Kunst bringen und wollen es mit Hilfe des volkstümlichen Puppenspiels!".


Schängchen
Das Schängchen hatte in den folgenden Jahren eine wechselhafte Geschichte, bis die Stadt Aachen in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts die Bühne als Kultureinrichtung übernahm.
Schon 1936 nahm die Aachener Puppenbühne aktiv am öffentlichen Aachener Karneval teil. Im Rosenmontagszug jenes Jahres stellte sie zum ersten Male einen Kamevalswagen, auf dem nicht nur die Puppen, sondem auch die Angehörigen der Spielgruppe sich kostümiert präsentierten.
Im Juli 1943 verlor dann die Bühne innerhalb weniger Stunden bei einem Brandbombenangriff seinen gesamten Bestand an Puppen, Kostümen, Requisiten und technischen Anlagen.
Im Winter 1946 konnte im Vortragssaal der Stadtbücherei in der Peterstraße das alte Spiel mit neuen Puppen, Kostümen und Dekorationen auf bretterloser neuer Bühne neu beginnen.
Auch der Spielbetrieb in der Peterstraße war nur ein Provisorium, das endlich 1952 ein Ende fand, als der Rat der Stadt beschloß, "Schängchen" wieder in städtische Obhut zu nehmen, ihm gleichzeitig aber auch eine bessere Heimstatt zu bieten. So übersiedelte die Puppenbühne 1954 in das Jugendheim Kalverbenden.

Spielort Barockfabrik
Mitte der 70er Jahre zeigte sich, daß der Spielbetrieb von seiner künstlerischen, technischen und räumlichen Leistungsfähigkeit an Grenzen gestoßen war. Nach langwieriger Suche unter großer Mithilfe aller beteiligter städtischer Ämter und Institutionen wurde im Jahr 1982, in der zu einem Kulturzentrum umgestalteten, ehemaligen Tuchfabrik am Löhergraben, eine neue - nunmehr die achte Spielstätte gefunden. Die Gunst der Stunde erlaubte es, in diesem Gebäude einen Puppenbühnenbau zu verwirklichen, der allen Anforderungen eines modernen und zukunftsträchtigen Spielbetriebs vollauf genügte.
Die enge Verbindung der Aachener zu ihrem Schängchen zeigt sich beispielhaft seit vielen Jahren in der Gestaltung von Kamevalsorden. Vielfältige Motive von Typen der Puppenbühne werden als Vorlage hierfür gewählt. Wie schon vor dem II. Weltkrieg so nahmen die Puppen auch danach an den Kinderkarnevalsumzügen teil.

Schängche Figuren bei der Arbeit
Die öffentliche Anerkennung der künstlerischen Leistungen blieb nicht aus: Im Jahr 1984 wurde der Bühne der "Preis für europäische Regionalkultur" und 1985 der "Thouet-Preis zur Förderung und Pflege Aachener Mundart" verliehen. Als besonders ehrenvoll empfand die Bühne den Auftrag, als kultureller Beitrag die Stadt Aachen beim Nordrhein-WestfalenFest 1989 in Düsseldorf zu vertreten.

Seit der Spielzeit 1995/1996 führt die Puppenbühne mit großem Erfolg Karnevalsveranstaltungen unter dem Titel Öcher fiere met et Schängche Fastelovvend". Hier wird ein echter Mitmach-Karneval geboten, indem das Publikum einer der Akteure ist. Das Ensemble, arrivierte und Nachwuchskarnevalisten und - wie gesagt - das Publikum bilden eine Einheit, die bemüht ist, echte karnevalistische Stimmung ohne kommerziellen Hintergrund zu schaffen. Diese Veranstaltungen sind derartig "eingeschlagen", dass die örtliche Presse schon im ersten Jahr von einer "Kultveranstaltung" sprach.

Stadtpuppenbühne Oecher Schänche im Internet





Marktfrau Hazzor

Teufel Krippekratz

Nieres