Noppeney-Garde

Mit einem Elefantenritt fing alles an ...

Vor 30 Jahren entstand unter Prinz Hugo I. Holl aus der Erholungs-Gesellschaft heraus die Noppeney-Garde.

Mit seinem legendären Elefantenritt im Rosenmontagszug wird Hugo Holl auf ewig einen Platz in den Öcher Karnevalsannalen haben. Doch auch für die Chronik der Erholungs-Gesellschaft hat der Prinz des Jahres 1975 ein bedeutsames Kapitel geschrieben - eines, an dem seit seinem Abdanken am Aschermittwoch vor 30 Jahren ständig weiter gearbeitet wird.

Die Erholungs-Gesellschaft Aachen 1837, eine der ältesten Aachener Bürgergesellschaften, war nach Familie und Arbeitsplatz das "dritte Zuhause" von Hugo Holl. Und so verwunderte es niemanden, dass er sich dort nach tatkräftiger personeller Unterstützung umsah, bevor er seine Hand nach dem Narrenzepter ausstreckte.


Sämtliche Noppeneys in Uniform auf der großen Treppe in ihrer heimischen Erholungs-Gesellschaft: Vor inzwischen 30 Jahren fing der jecke Trubel mit "Elefanten-Prinz" Hugo Holl an.

In den frühen 70er Jahren hatte Bankdirektor Hugo Holl seinem Arbeitgeber zunächst nicht nur als international erfahrener Finanzexperte, sondern auch durch gesellschaftliche Ereignisse Sympathien verschafft. Die Hausbälle und Ordensritter-Empfänge in der Dresdner Bank erfreuten sich größter Beliebtheit, und in diesem Ambiente reiften schließlich auch seine allerersten Pläne, selbst einmal Narrenherrscher zu werden. Im Hofstaat scharte er 16 Freunde aus seinem Kegelclub in der Erholungs-Gesellschaft um sich, die bis auf drei allesamt als Noppeneys durch den Fastelovvend zogen.

Selbst wenn er mit 52 Lebensjahren bis dato ältester Aachener Karnevalsprinz war, so ließ Hugo I. auch durch manche anderen Akzente seiner närrischen Regentschaft selbst junge Jecke staunen. Bei 181 Auftritten kam keinerlei Müdigkeit auf, und der fünfstündige Ritt auf dem firmensymbolträchtigen Elefanten setzte seinen vorherigen Erfolgen die Krone auf.

Bis heute gibt es übrigens noch Öcher, die an Hugo Holls Ameröllche glauben, er habe seinen Dickhäuter unterwegs zur Beruhigung mit Wacholder-getränkten Zuckerstückchen gefüttert. Und bis heute lebt in der Realität die Gruppe weiter, die Prinz Hugo ins Leben gerufen hat: die Noppeney-Garde, die innerhalb der Erholungs-Gesellschaft alljährlich aus den eigenen Reihen eine Karnevals-Gala gestaltet und - inzwischen auf über 40 Mitglieder angewachsen - rosenmontags weiterhin laut musizierend durch Aachen zieht.

Zu ihrem runden Geburtstag erinnert die Noppeney-Garde nun nicht nur mit einer Ausstellung an ihren 2003 gestorbenen Gründer und ihre eigene Geschichte, sondern nimmt auch erneut eine exponierte Rolle im Öcher Fastelovvend ein. Denn wie einst Hugo Holl hat sein Nachfolger Dirk Chauvistré die meisten seiner Mitstreiter aus den Reihen der Erholungs-Gesellschaft rekrutiert. Zwei Unterschiede gibt es allerdings von vornherein: Dirk III. hat nur einen Noppeney und null Elefanten in seinem Gefolge.

Text: Hanns (I.) Bittmann